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Freitag, nicht der 13.

Es gibt Tage, da fragt man sich spätestens am Mittag, warum man nicht lieber früh im Bett geblieben ist, weil es dort doch so viel angenehmer hätte sein können. Nein, da springt man, immer das Pflichtbewußtsein im Hinterkopf, aus den Federn, stolpert durch Bad und Küche, um dann mehr oder weniger munter und in Ordnung gebracht den Weg in die Firma anzutreten. Dort angekommen wird man gleich eines besseren belehrt, wenn man bis dahin dachte, dass alles so glatt wie meist ablaufen würde. Als erstes bekommt man eine Rüge, weil man zum gemeinsam anberaumten Frühstück, welches ein vor seinem Urlaub stehender Kollege ausgab, den ich jetzt beneide, dass er die nächsten Tage dieser quirligen Bürosubkultur entfliehen kann, nicht erschienen ist. Das lässt mich noch kalt, weil das kuschelige Bett nebst lebendem Kuschelbär noch in allzu naher angenehmer Erinnerung ist. Die Stimmung lässt merklich nach, wenn man dann feststellt, dass man doch schon 9:00 Uhr einen Außentermin, natürlich im entferntest gelegenen Stadtteil hat, die Unterlagen noch zusammengestellt werden müssen, eine davon zunächst gänzlich fehlt und man eben als man sie endlich entdeckt, den geforderten Tribut für die Telefonrechnung einer Kollegin schuldet und diese just in diesem Moment den Betrag von 2,56 € zurückfordert. Langsam macht sich das Gefühl breit im falschen Film zu sein, denn es kommen noch Fragen wie: „wo ist die Akte zum auf der Außenstelle abgeschlossenen Mietvertrag, kannst Du den Schlüssel mit dahin nehmen, mit welchem Auto fährst Du jetzt in den Außendienst usw. Nachdem man in alle Richtungen bereitwillig Auskunft gegeben hat, die Tasche gepackt ist und man lediglich nur noch die Stechkarte im Büro liegen hat, wenn man bereits im Erdgeschoss an der Stechuhr angelangt ist, ist man froh diesem Hexenkessel entflohen zu sein und strebt zielsicher den Fuhrpark an, der sich auf der anderen Straßenseite befindet. Der Schlüssel zum Auto muss im 1.Stock abgeholt werden. Bisher hat er sich auch immer in dem dafür eigens zuständigem Schrank in immer dem gleichen Fach befunden. Heute steht man neben dem Auto, was auch nicht auf dem Stammplatz abgestellt ist und wundert sich, dass der Schlüssel plötzlich eine andere Form angenommen hat. Spätestens nun ist klar, dass der falsche Autoschlüssel im Fach steckte und man legt den Weg ein zweites Mal zurück. Nun aber los denkt man, der Termin ist eh nicht mehr zu schaffen, denn 5 Minuten durch die halbe Stadt wäre unseren Freunden und Helfern sicher einige sehr beliebte Schnappschüsse wert. Also erst einmal tief durchatmen, es wird schon werden! Denkt man! Dann aber schaltet die sonst so grüne Welle heute in eine rote Welle um, sämtliche Sonntagsfahrer scheinen in der Woche unterwegs zu sein und vor allem scheint alle Welt auf einmal beschlossen zu haben, gerade zu diesem Augenblick sein Auto auf der Straße herumkutschieren zu müssen. Das Gefühl der Ohnmacht stellt sich ein, obwohl man krampfhaft versucht, alles noch ins Lächerliche zu ziehen und ja nicht einzugestehen, dass es einfach nur blöd ist. Nebenbei hat der vorhergehende Benutzer des Autos die Zentralverriegelung aktiviert und diese schaltet sich nun laufend ungefragt zu. Es knallt unentwegt in diesem Relais. Ein Radio gibt es auch nicht, was diesen unangenehmen Ton übertönen könnte und so quält man sich mehr oder weniger angespannt durch den Verkehr, um mit erheblicher Verspätung am Zielort anzukommen. Der Interessent steht noch da, was wiederum der erste positive Aspekt ist und schaut auch noch relativ nett in die Welt. Nach Entschuldigung und den dazugehörenden Erklärungen, egal ob es glaubhaft ist oder nicht, nimmt man die Besteigung des Hauses bis zur 3. Etage auf sich. Schon auf der Treppe schleicht sich die Vermutung ein, dass die Kollegen mit dem Schlosswechsel noch nicht durch sind und man eventuell mit dem Generalschlüssel dann nicht in die Wohnung käme. Kurz darauf ist diese Vermutung zur bitteren Wahrheit geworden. Was nun! Der Not gehorchend entwickelt man ungeahnte schauspielerische Talente und beginnt nun vor der Wohnungstür mit der virtuellen Besichtigung anhand geistigem Auge und hofft inständig, dass der Interessent auch über genügend Phantasie verfügt, sich die hinter der Tür verborgene Wohnung vorstellen zu können nebst noch zu erledigenden Reparaturen. Nachdem man seinen Monolog ein paar Minuten ausgeführt hat, die Interessenten erstaunlicherweise immer noch nett sind und man erzählerisch bereits bei den Kellergängen, die zu besichtigen man gerade in Aussicht stellt, angekommen ist, taucht der Schlosser mit den Schlüsseln auf und man kann doch noch einen Blick in die Wohnung werfen, mit anschließender bereits angekündigter Kellerbesichtigung. Daraufhin meint dann der Interessent, dass er durchaus angetan ist von der Wohnung, sich die Sache aber doch noch einmal übers Wochenende überlegen müsse. Was natürlich freudig zur Kenntnis genommen wird und sogleich der Termin auf die nächste Woche vertagt wird. Na das war noch einmal gut gegangen!! Der nächste Termin steht schon vor der Tür und geschwind dahin gefahren. Erstaunlicherweise geht hier alles klar was man, geschädigt von den vorangegangenen Stunden, argwöhnisch beobachtet und immer auf den Knalleffekt wartet. Aber wider Erwarten ereignen sich in den nächsten 3 Wohnungen keine weiteren Zwischenfälle. Auch der Rückweg mit dem Dienstwagen geht unproblematisch über die Bühne. Aber kaum ist man im Büro zurück, geht alles von neuem los. Die kurze verbleibende Zeit zwischen Büro hier und Außenstelle dort, die man am Nachmittag bis 18:30 Uhr zu besetzen hat, war eigentlich dafür vorgesehen, dass man den Vormittag aufarbeitet und die Unterlagen für den Nachmittag vorbereitet. Außerdem wollte man sich zwischendurch noch ein kleines Päuschen gönnen. Der Tag ist wahrlich lang genug. Aber bei Betreten des Büros bekommt man die Hiobsbotschaft sofort im Büro des Chefs erscheinen zu müssen. Ein Kollege hatte sich über meine Äußerung am Vormittag beschwert und der Chef will nun nähere Angaben dazu haben. Das bringt mich nun doch in Rage. Aufgeregt reißt man den Telefonhörer von der Gabel und erklärt der verdutzten Sekretärin, dass man diesen Kindergarten nicht mitmachen wird, gar nicht daran denkt zum Chef zu kommen und bewusster Kollege seinen Mist gefälligst selbst ausbaden soll. Noch bevor die gute Frau antworten kann, liegt der Hörer wieder auf seinen für ihn bestimmten Platz. Nachdem man sich zwischen all den Papieren, die sich munter auf dem Schreibtisch aufhalten, eine Buttersemmel geschmiert hat, die Reste vom Frühstück der anderen, beginnt sich das Gefühl, den Chef oder seiner Sekretöse doch ziemlich frech gekommen zu sein auszubreiten und man versucht buttersemmelkauend in Form einer e-mail etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Antwort nimmt man mit Staunen zur Kenntnis. Der Chef ist durchaus der gleichen Meinung, bittet aber am nächsten Dienstag zum endgültig klärendem Gespräch. Kurze Bestätigung und alles ist in bester Ordnung. Wenigstens in diesem Fall. Nun macht sich aber schon wieder Hektik breit, denn der Wechsel zur Außenstelle soll stattfinden mit einer kurzen Mittagspause dazwischen. In dieser soll die Bank heimgesucht werden, weil sich, trotz monatlich pünktlicher Zahlung des Lohnes, durch einige Zwischenfälle, die näher zu beschreiben hier den Rahmen sprengen würden, das Konto langsam gen Ende neigt und der Bankangestellte eventuell Abhilfe schaffen soll. Nachdem vor der Bank einige Fahrer unterwegs sind, die wahrscheinlich den Führerschein im Lotto gewonnen haben und alle Straßen verstopfen, man dann doch irgendwie in eine Parklücke gerutscht ist, erklärt der Bankangestellte süffisant, dass er außerstande ist den Dispokredit um einen geringen Betrag höher zu gewähren, man sich dabei vorkommt wie ein Bettler und das deutliche Gefühl vermittelt bekommt, dass ohne Moos nichts los man der letzte Kunde in der Filiale ist. Anderes hätte man auch nicht vermutet. Der Wunsch ins Bett zu gehen anstelle auf die Außenstelle macht sich immer stärker breit. Aber unverdrossen versucht man in den wenigen Minuten wenigstens noch
eine letzte Chance auszutesten. In der Hoffnung, dass man pünktlich die Außenstelle öffnen kann, begibt man sich zum Autohändler, der das Wrack des Autos, das man für den Exmann bis 2010 abzahlt und das dieser zu Schrott fuhr, für ein paar wenige Euros veräußern soll. Nichts Gutes ahnend erfährt man auch sofort, dass der schon seit 3 Wochen in Aussicht gestellte Käufer immer noch nicht da war und demzufolge die Euros noch nicht den Besitzer wechseln können. Hatte ich eigentlich noch etwas anderes erwartet? Zum allgemeinen Erstaunen bleibt man immer noch gelassen und begibt sich mit dem Gedanken auf die Außenstelle, dass dort sicher nur unangenehme Leute vorsprechen werden und man froh ist, wenn man wenigstens abends unbeschadet das eigene Bett erreicht.
Und das an einem ganz normalen Freitag Ende September eine 13 weit und breit nicht in Sicht!

by(c)Mariti




Begegnungen

Heute Mittag hatte ich wieder mal eine interessante Begegnung. In meinem Malkurs ist eine Frau, so 72 Jahre, die kommt ab und zu, wie sie Zeit hat. Sie war heute hier, weil sie eigentlich eine neue Wohnung sucht. Dann sind wir ins Schwatzen gekommen, es waren keine anderen Kunden in Sicht. So konnte sie mir ihr Erlebnis vom vergangenen Monat erzählen. Sie saß also auf einer Bank an der Elbe und zeichnete. Sie hatte ihre sämtlichen Sachen auf der Bank ausgebreitet, weil sie es nicht mag, wenn sich Leute dazu setzen und sie neugierig ausfragen oder sogar kritisieren. Dann kam ein älterer Herr mit Krückstock. Sie machte doch Platz, weil sie dachte, er möchte sich vom Spaziergang ausruhen. Nach einem Blick auf ihre Bilder meinte er, dass sie dann wohl die gleiche Leidenschaft hätte und er erzählte ihr, dass er mit seiner Frau am "Blauen Wunder"(dieser schönen Stahlbrücke) wohnen würde. Ganz oben unterm Dach und ohne Lift zu erreichen und sie solle sie doch mal besuchen, damit er ihr seine Bilder zeigen könne. Ein paar Tage später ging sie hin und wurde nach dem Aufstieg in die oberste Etage herzlich empfangen. Er bewohnt dort zwei sehr große Altbauwohnungen auf einer Etage und hat alles voller alter Möbel und eben seinen Bildern. Sie hat lange gebraucht, um alles zu besichtigen. Dann fragte der Herr wie alt sie ihn wohl schätzen würde. Sie wollte keine Prognose wagen, schätzte ihn aber in Gedanken so um die 80 Jahre. Es stellte sich heraus, dass er kurz vor seinem 101. Geburtstag stand. Er erzählte weiter, dass er jeden Tag einen Spaziergang nach Laubegast (der nächste Stadtteil an der Elbe lang, ca. 7 km eine Tour) mache, der Arzt ihm aber nun verboten habe so weit zu laufen. So will er nun nur noch die halbe Strecke gehen, dafür aber zweimal am Tag. Mit tollen Eindrücken und mit dem Versprechen auf ein Wiedersehen verließ sie sein Haus.
Ist das nicht eine schöne Geschichte aus dem sonst so tristen Alltag? Das ist mein Vorteil, wenn ich in der Öffentlichkeit arbeite. Ich treffe öfters mal interessante Leute.

by(c)Mariti 2006



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