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09.10.2004

Es ist unsere dritte Reise nach Asien auf die Philippinen. Man sollte meinen, dass sich da eine gewisse Routine eingeschlichen hätte. Hat sie auch in gewisser Weise. Die Vorbereitungen gehen schneller und man weiß wo und wie lange man warten muss, mit welcher Airline man fliegt und wie man da betreut wird. Trotzdem ist es immer wieder ein Abenteuer, denn von Haus zu Haus sind es ca 27 Stunden. Bereits früh um 5:00 Uhr sitzen wir im Auto, was uns zum Flughafen Dresden bringt. Da wir schon am Vorabend das Gepäck eingecheckt haben, geht der Rest der Formalitäten reibungslos und bald sitzen wir im Flugzeug Richtung Frankfurt, wo wir nach einer Dreiviertelstunde schon wieder landen. Die nächste Maschine der Singapore Airline startet 13:30 Uhr. Also ausreichend Zeit für ein Frühstück, was wir zu Hause ausfallen ließen. Wir decken uns mit genügend Lektüre ein, denn der Flug Frankfurt - Singapore dauert 12 Stunden. Nachdem wir unsere Plätze eingenommen haben und das Flugzeug die Flughöhe erreicht hat, richtet sich Jeder für die kommenden 12 Stunden ein. Ich werde die meiste Zeit schlafend oder lesend verbringen. Irgendwo über Indien stelle ich mich moralisch auf die Zeitverschiebung ein. Das funktioniert gut und macht den Jetlag erträglich. Es sind immerhin 7 Stunden Unterschied. Tina wird sich wahrscheinlich 4 bis 5 Filme anschauen und sich mit Linda, der Tochter von Wolfgang, die sie bisher nicht kannte, anfreunden. Wir haben ja Zeit............!
Wir landen früh 6:15 Uhr. Die Zeitverschiebung hat zugeschlagen. Von Singapore sehen wir auf der Hinreise nur den Flughafen. Auf dem Rückflug werden wir einen Stop-Over einlegen und die Stadt erkunden. Nun liegen noch einmal vier Stunden vor uns. Abflug 9:30 Uhr Richtung Cebu. Die Philippinen bestehen aus mehr als 7400 Inseln und teilen sich in drei Regionen. Cebu ist die Hauptinsel der Visayas, der mittleren Region. Hier spricht man visayan oder englisch. Als wir 13:00 Uhr ankommen, steht Erma, Harrys Frau, mit ihrer Nichte Kayla schon im Terminal, um uns abzuholen. Sie hat bereits einen Kleinbus gechartert. Damit fahren wir zur Fähre, denn wir haben nun noch 2 Stunden bis auf die Nachbarinsel Bohol, wo wir bei Harry und Erma die nächsten Tage zu Gast sein werden. Gegen 17:00 Uhr treffen wir im Haus ein. Ein erstes Bad im Pool und Abendbrot erwartet uns. Wir werden ab jetzt die Gastfreundschaft von Harrys Familie aber auch der anderen Filipinos, die wir bereits bei früheren Aufenthalten kennen lernten, genießen. Inzwischen haben wir schon längst den 10.10.2004
Sonnenuntergang über Bohol

11.10.2004

Heute soll es ein Faulenzertag werden. Schließlich wollen wir uns von der anstrengenden Anreise noch etwas erholen. Also sitzen wir erst gegen 10:00 Uhr am Frühstückstisch. Erma hat wieder viel aufgefahren. Ihre selbstgebackenen Brötchen sind uns noch vom letzten Mal in sehr guter Erinnerung. Also sitzen wir bei bestem Wetter, um die 28 °C im Oktober, auf der Terrasse, lassen es uns schmecken, schwatzen und lachen und besprechen die nächsten Pläne.
Später fahren wir alle zusammen in Harrys neu erstandenem Automobil, einen Toyota Kleinbus, nach Tubigon. Das ist die Stadt in der Harry und Erma leben. Bohol ist eine landschaftlich schöne Insel. Sie liegt östlich der Insel Cebu, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Visayas und ist sehr geschichtsträchtig.Hier leisteten 1563 der spanische Eroberer Legaspi und Häuptling Sikatuna einen Blutseid und schworen ewige Freundschaft. Vom Spanischen sind nur noch einige Worte und die Zahlen in der Sprache der Einheimischen erhalten geblieben. Die Amerikaner haben Jahrhunderte spanischer Lebensart in nur 50 Jahren über den Haufen geworfen. Inzwischen gibt es hier das amerikanische Schulsystem, man spricht englisch und überhaupt erinnert viel an Amerika. Wenn da nicht die Bauten aus Kolonialzeiten wären! Schule ist hier Pflicht. Es gibt Schulkleidung und selbst von den entlegensten Inseln müssen die Kinder hierher zur Schule kommen. Sie bleiben dann meist innerhalb der Woche bei Verwandten, die in Schulnähe wohnen.
Tubigon ist eine kleine Hafenstadt. Wir fahren zum Markt, um den Fischbestand im heimischen Kühlschrank aufzubessern. Auch Obst und Gemüse darf nicht fehlen. Der Markt ist so wie man es sich vorstellt, große Halle, viele Stände, ein Gewusel von Menschen. Menschen scheint es sowieso in dreifacher Menge als bei uns zu geben. Die Straßen und Geschäfte sind immer voller Leute. Auch die Fähren und Boote. Man gewöhnt sich schnell daran und später, wenn wir wieder zu Hause sind, wird uns das Menschengewühl fehlen.
Wir sind zurück am Pool und sind heute nur noch faul. Nur Udo und Wolfgang fahren noch einmal in die Stadt. Als sie zurückkommen, haben sie ein lustiges Erlebnis mit den Gards, das sind Polizisten, die die kleine Europäische Siedlung am Berghang bewachen sollen, was aber eigentlich gar nicht nötig ist. Die beiden Männer haben eine kleine Musikstunde mit den drei Gards und spielen lustige Weisen auf der Klampfe. Wolfgang ist ja ein sehr guter Musiker. Hat er doch seinerzeit mal als Gitarrist bei Sandra Mo und Jan Gregor, ehemalige DDR-Bürger wissen wen ich meine, in der Band gespielt. Es ist eine stimmungsvolle Einlage am Rande des Urwaldes.
Gegen Abend besuchen uns Lilibeth und Charity. Zwei junge Frauen aus Ermas Bekanntenkreis. Schnell wird es hier dunkel, wir sitzen gemütlich bei Kerzenschein auf der Terrasse und genießen zum ersten Mal richtig den grandiosen Sonnenuntergang, den es hier so oft gibt.

Fischmarkt in Tubigon

12.10.2004

Heute wollen wir die Hauptstadt der Insel Bohol besuchen. Tagbilaran liegt ca. anderhalb Autostunden von Tubigon entfernt. Harry besitzt einen Kleinbus. Den können wir während unseres Urlaubes nutzen. Erma wird uns begleiten. Wir wollen einen Kaufhaus- und Marktbummel machen und Wolfgang trifft sich mit Freunden, die er im Internet kennen gelernt hat. Unsere beiden Mädels sind natürlich sehr erfreut, dass es zum shoppen geht. Hier gibt es in den größeren Städten wirklich riesige Kaufhäuser. Manchmal dreimal so groß wie die Galerie in Dresden am Altmarkt und ebenfalls so total zivilisiert, was wir in der kleinen Stadt Tubigon und auf den kleinen Inseln gar nicht gewöhnt sind. Wir machen also zunächst das Kaufhaus unsicher, um dann doch alle Speisen auf dem herkömmlichen Markt zu kaufen. Wolfgangs Freunde, ein Mann und eine Frau, arbeiten ebenfalls in solch einem Kaufhaus und wir treffen uns alle mit ihnen in deren Mittagspause. Es wird ein sehr lustiges Gespräch, teilweise englisch, teilweise mit Händen und Füßen. Aber es gelingt und Wolfgang freut sich, dass er so weit entfernt von der Heimat solch nette Bekanntschaften hat.
Der Tag vergeht hier sehr schnell. 18:00 Uhr wird es bereits finster. Da wollen wir wieder zurück sein. Noch schnell einen Besuch bei René, dem Bäcker aus der Schweiz. Da gibt es leckeres Schwarzbrot, was sich inzwischen auch unter den Filipinos rumgesprochen hat. Hier gibt es auch Ansichtskarten. Ein paar werden wir in die Heimat senden.
Tagbilaran ist keine so spektakuläre Stadt. Man kann überall das Korbflechthandwerk bewundern. Ansonsten sind die Straßen verstopft von Menschen, Motorrädern und den typischen Jeepneys. Die Kindern werden von kleinen Busen, die man hier Turbo nennt, in die Schule gebracht und wieder abgeholt.
Zurück zu Hause machen wir mitten im Palmenhain ein großes Lagerfeuer. Das machen hier übrigens alle. Es dient zur Mückenvertreibung. Bei der Luftfeuchtigkeit ist die Gefahr, dass der Wald anbrennt sehr gering. Manche Leute entfachen das Feuer direkt am Fuße einer Palme. Wir lassen uns den einheimischen Rum, Tanduay, schmecken und schwatzen bis spät am Abend. Aber dann gehen wir doch zu Bett, denn morgen ist 6:30 Uhr wecken angesagt.


13.10.2004

Ich bin schon vor 6:00 Uhr wach. Trotzdem bleibe ich noch im Bett und warte bis die Anderen gegen 6:30 Uhr langsam aus den Federn kriechen. Frühstück ist für 8:00 Uhr vereinbart. Alle versammeln sich auf der Terrasse, die in der morgentlichen Frische voller Blüten erstrahlt. Die Sonne geht hier 6:00 Uhr auf und abends 18:00 Uhr unter. Eine gewisse Regelmäßigkeit im Tagesablauf stellt sich automatisch ein. Das Frühstück ist köstlich. Erma hat wieder Brötchen gebacken und auch gleich den Proviant für den heutigen Tag vorbereitet. Sie steht tatsächlich schon um 4:00 Uhr auf, um alles zu erledigen. Trotzdem wir ihr unsere Hilfe anbieten, ist sie davon nicht abzubringen. Irgendwie kommt es mir bekannt vor. Ich habe die gleiche Angewohnheit, wenn ich Gäste habe.
Heute wollen wir auf die kleine Insel Mocaboc schippern. Dazu müssen wir ein Boot chartern und das geht am besten im Hafen von Marberos. Es dauert auch nicht lange und wir sitzen auf den hier üblichen Pamboat mittlerer Größe. Diese Boote haben auf beiden Seiten Bambusausleger und sind ansonsten eher spartanisch ausgerüstet. Für unsere Zwecke völlig ausreichend und billig. Es gibt auch ganz kleine dieser Boote. Damit fahren die Fischer nachts aufs Meer und man kann dann gleich von Boot zu Boot leckeren frischen Fisch kaufen. Das tun wir natürlich auch, denn wir wollen uns den ganzen Tag auf der Insel aufhalten.
Das Meer ist bei der Überfahrt spiegelglatt. Wir sind eine Stunde unterwegs, dann sehen wir die kleine Insel am Horizont. Die genaue Größe kann ich nicht sagen. Es wohnen ca. 250 Menschen hier. Die großen Kinder sind auf der Hauptinsel bei Verwandten, um regelmäßig die höheren Schulen besuchen zu können. Hier gibt es eine Grundschule, ein kleines Kirchlein und einen Kiosk mit den nötigsten Lebensmitteln. Mitten im Dorf ist der Brunnen. Das Wasser sieht nach Brackwasser aus. Zum waschen reicht es, trinken würden nicht einmal die Einheimischen davon.
Am Strand gibt es einen größeren Platz auf dem ein Haus im spanischen Stil steht. Etwas größer als die Bambushütten der Inselbewohner und aus Stein gebaut. Das gehörte mal einer spanischen Lady. Man kann es nutzen, es gibt eine Feuerstelle und einen Raum mit großem Tisch und Sitzecke. Man wird an Kolonialzeiten erinnert. Die Fenster sind nicht verglast aber vergittert und haben einen maurischen Einschlag. Zwei Frauen aus dem Dorf schließen uns auf. Wir sitzen in einem Pavillion aus Bambus hinter dem Haus und putzen den frisch gekauften Fisch derweil die beiden Männer versuchen ein Feuer zu entfachen. Man sollte es nicht glauben, aber der Strand ist bei der Hitze trotzdem feucht, ebenso das trocken anmutende Holz was so rumliegt. Die Bootsbesatzung macht uns vor wie es geht. Nämlich, man besteigt eine Palme, bricht die trockenen Äste ab und macht am Fuße der Palme in Sekunden ein Feuerchen. Sie haben ihr Essen bald verspeist während wir noch immer versuchen das rauchende Feuer am Leben zu halten und unseren Fisch zu garen. Endlich ist er fertig, der Reis und das Gemüse auch und ebenso das Obst bereitet was es als Nachtisch gibt. Die Schlemmerei kann beginnen.
Die Insel ist zu Fuß in 10 Minuten umrundet. Mit Tina und Linda machen wir uns auf den Weg und schauen den Leuten bei ihrer täglichen Arbeit zu. Die Frauen waschen am Brunnen oder kochen, die Kinder spielen und die Männer bringen ihren Fang nach Hause oder bessern die Fischernetze aus. Alle sind sehr freundlich. Wir dürfen in die Häuser reinschauen, ein paar Worte wechseln und uns die Schule zeigen lassen. Selbst hier auf dem winzigen Stück Erde gehen die Kinder in Schulkleidung. Alle haben picksaubere Sachen an. Überhaupt hängt an jeder Hütte so viel Wäsche, dass man denken könnte, es gibt hier eine mitlere Wäscherei. Hier ist man so abgeschieden von der restlichen Welt, dass man sich total entspannt. Keine schlechten Nachrichten von Kriegen auf der Welt erreichen uns hier. Und auch wenn Mindanao, der Ort der Entführung deutscher Geiseln, gleich um die Ecke ist, verschwendet man keinen Gedanken an eine mögliche Gefahr. Die Fischer sehen alle etwas abenteuerlich aus, weil sie sich einfach vor der Sonne schützen wollen. Wir genießen den Aufenthalt hier bei diesen freundlichen Menschen und bedauern, dass die Zeit so schnell vergeht und wir, die wir noch vor der Dunkelheit wieder zurück sein wollen, besteigen unser Pamboat, um zurück zu fahren. Übrigens haben alle kleinen Inseln keinen Anlegesteg. Man muss ins Meer springen und seine 7 Sachen möglichst auf dem Kopf an Land transportieren. Ebenso natürlich auch zurück zum Boot.
Auf dem Rückweg wollen einige von uns noch im Meer baden. Sogar Erma traut sich eine paar Meter hin und her, auch Wolfgang und Linda. Tina und ich, wir drücken uns und schauen uns das Ganze doch lieber vom Boot aus an. Ich habe ganz einfach Angst im Meer zu baden. Nicht erst seit heute.
Gegen 17:00 Uhr sind wir wieder zu Hause. Die Mädels haben noch keine Ruhe und wollen ins Internetcafé. Ja auch das gibt es hier in einer Baracke und mit Geräten aus der Steinzeit. Macht aber nichts, Tina kann ihre Mails abrufen und das ist wichtig. Auch wenn ab und zu der Strom ausfällt, alle hektisch werden und aus dem Café stürzen um kurz drauf bei erneuter Stromzuschaltung wieder am PC zu sitzen. So kann selbst dies zum Abenteuer werden. Nachher gehen sie noch mit Ermas Vater in die Karaokebar. Der Vater kann super singen und steckt die Mädels an.
Als sie nach Hause kommen, sind sie klitschnaß, denn wir haben immer noch Regenzeit und die macht sich meist abends bemerkbar. Die paar Meter von der Garage bis zum Haus reichen, um bis auf die Unterwäsche naß zu sein.

In zehn Minuten um die Insel

Grundschule in Mocaboc

14.10.2004

Unsere Frühstückszeit pegelt sich so langsam auf 8:00 Uhr ein. Mit all den üblichen Annehmlichkeiten. Heute soll es zum Loboc-River gehen. Erma hat für Wolfgang Lilibeth eingeladen. Sie kommt dieses Mal ohne Cousine mit. Allerdings musste Erma die Eltern, obwohl Lili schon 26 Jahre alt ist, extra um Erlaubnis bitten, denn es schickt sich nicht für ein Mädchen aus ordentlichem Haus so einfach mit fremden Männern einen Ausflug zu machen. Immerhin sind die Filipinos streng katholisch. Aber da mit uns mindestens noch 4 weitere Frauen an der Fahrt teilnehmen, haben die Eltern nichts dagegen.
Wir fahren über Tagbilaran, die Hauptstadt der Insel Bohol, und durchqueren einige kleinere Orte. Nach 1 ½ Stunden sind wir da. Als wir das erste Mal vor ein paar Jahren hier waren, gab es kaum Touristen. Nun ist auch hier schon der Kommerz angekommen. Die Fremden aus Europa sind allerdings in der Unterzahl. Die Leute kommen größtenteils aus dem asiatischem Raum. Man kann hier kleine Ausflugsboote mieten und so den Fluss abfahren. Wir bevölkern eines dieser Boote und schon geht es los. Wir fahren durch den Dschungel, links und rechts dichtes Palmengewirr, dazwischen immer wieder kleine Bambushütten, ab und zu sieht man Kinder spielen und immer wieder die obligatorischen voll behangenen Wäscheleinen. Die Fahrt endet an einer Bucht mit vielen kleinen Wasserfällen. Die Boote können hier nicht weiterfahren und ich frage mich, wie es hinter den Wasserfällen weiter geht. Ist der Fluss dort auch noch so breit oder wird er enger? Endet er dann gleich oder entspringt er weiter entfernt? Da Bohol eine relativ kleine Insel ist, kann er fast nicht mehr lang sein hinter dieser Stelle.
Erma hat natürlich wieder reichlich Essen mit, was wir nun hungrig verspeisen. Es gibt gebackene Hähnchenschenkel, Reissalat und Obst. Nebenbei beobachten wir Kinder, die von oben ins Wasser springen und dabei einen Riesenspaß haben. Ein zweites Boot kommt dazu und die Amerikaner, die es bevölkern, versuchen ebenfalls ihr Glück im Wasserspringen. Wir fahren noch weiter in die Bucht hinein. Dort wo wir vorher noch nie waren. Hier sind die Wasserfälle sogar noch höher. Endlich kann ich den alten Baum, der mir beim letzten Mal schon aufgefallen ist, aus nächster Nähe betrachten und fotografieren.
Langsam machen wir uns auf den Rückweg. Am Landesteg angekommen will Tina den kleinen Laden anschauen. Sie kauft sich eine Tasche und ein T-Shirt. Mich interessiert das nicht so. Auch die fliegenden Händler, die schon arabisch aufdringlich werden, sind nicht nach meinem Geschmack. Das ist neu hier, aber die Leute müssen auch von etwas leben.
Am Landesteg werden in einem Käfig kleine Affen gehalten. Es ist die kleinste Affenart der Welt. Man kann sie auf die Hand nehmen, größer sind sie nicht. Sie haben Riesenaugen und springen wie eine Feder zurück zum Baum.
Ich wandere etwas die Straße entlang und stoße auf einige Reismatten. Hier wird der geerntete Reis auf Matten am Straßenrand getrocknet. Ich fotografiere es, damit mir die Leute zu Hause meine Geschichte auch glauben. Daneben entdecke ich eine Tischlerei. Ich schaue den Männern bei der Arbeit zu. Hier findet ja alles im Freien statt. Es ist warm, man muss nicht drin hocken. Unter den geschickten Händen der Männer entstehen kleine Kinderstühle. Ich denke mir, dass es für eine Schule sein könnte. Leider habe ich nicht fotografiert. Es erschien mir zu aufdringlich.
Als wir uns alle wieder am Auto versammelt haben, machen wir uns auf den Weg zur Hängebrücke bei Carmen. Sie ist nicht sehr groß, gebaut aus Bambus und Drahtseilen. Beim Drüberlaufen schwingt sie hin und her und wir haben unseren Spaß vor allem daran, dass Erma und Lilibeth nur zögerlich und mit ziemlichem Gezeter drüber laufen. Und wir dachten immer, die Einheimischen laufen im Schlaf über derartige Bauwerke.
Nun wird es aber Zeit die Heimfahrt anzutreten. Wie erwartet ist in Tagbilaran auf der Straße die Hölle los. Erma will noch ins Kaufhaus, Udo ist am Steuer genervt. Dadurch kommt es zu einer gereizten Stimmung und Erma ist fast am heulen, weil Udo ziemlich heftig reagierte. Aber in wenigen Minuten ist alles wieder friedlich.
Bei René, dem Schweizer, holen wir noch Schwarzbrot, Wurst und Käse ab. Alles recht europäische Dinge an die sich auch Erma und die anderen philippinischen Hausbewohner längst gewöhnt haben.
Gegen 17:30 Uhr sind wir zu Hause. Plötzlich kommt heftiger Wind auf, der Regen läßt allerdings umsonst auf sich warten.
Später am Abend führt uns Kayla noch ihre im Kindergarten einstudierten Tanzkunststücke vor. Wolfgang filmt und Linda tanzt mit.
Der Höhepunkt des Abends ist gemeinsames Karaoke wobei Ermas Vater wieder brilliert und Wolfgang sein Bestes gibt.
Übrigens können wir uns alle nicht vorstellen, dass das von Erma so hoch geprießene “Herba live” so toll gesund sein soll. Wir probieren es alle. Die Mädels finden es ganz gut, die Männer schütten Rum hinein, um es trinken zu können.
Das Flussufer

15.10.2004PLACE_IMAGE(H-ngebr-cke-bei-Carmen-web.jpg)} Hängebrücke bei Carmen

Heute wird zu Hause gefaulenzt. Die Mädchen wollen ausschlafen. Sie kommen also nicht vor Mittag aus dem Bett. Ich bin allein auf der Terrasse und genieße die Ruhe. Endlich komme ich dazu ein paar Karten zu schreiben. Die Freunde in der Heimat warten auf ein Lebenszeichen. Irgendwann stehen nach und nach alle auf. Die Karten sind geschrieben und wir beschließen in die Stadt zu fahren und diese auf der Post abzugeben. Der Postschalter befindet sich im Erdgeschoss des Rathauses gleich neben dem Eingang zum Gefängnis. Es scheint so eine Art U-Haft zu sein. Die Türen sind geöffnet und man kann die Gefangenen hinter und ihre Besucher vor dem Gitter beobachten während man wartet, dass die Postbeamte die Marken auf die Karten klebt und den Kassenbon durch das kleine Loch am Schalter schiebt. Ich habe mir nicht getraut zu fotografieren. Das kam mir dann doch zu aufdringlich vor. Der Wachdienst lächelte zwar freundlich. Aber zum Paparazzi bin ich nicht geboren.
Nach dem Erlebnis im Rathaus bummeln wir zur Hafenmole und zum Markt. Nur so einen Spaziergang machen, dass können die Filipinos nicht verstehen. Bei Ihnen hat jeder Gang einen Zweck. Sie würden niemals nur zum Spaziergang durch die Sonne laufen. Sie sind sowieso sehr bequehm. Wir beobachten, dass sie sich jeden Meter mit dem Fahrad- oder Motorradtaxi fahren lassen.
Im Markt ist es angenehm kühl. Die Fische liegen in den Auslagen. Es gibt Fischarten, die wir von zu Hause nicht kennen und wir beginnen zu spekulieren was es den für eine Sorte sein könnte. Erma klärt uns auf. Sie kauft auch gleich noch ein paar Portionen für das Mittagessen. Die Zeit vergeht schnell. Wenn man lange schläft, dann hat man nur ein paar Stunden am hellen Tag, die Sonne geht ja pünktlich 18:00 Uhr unter.
Wir schließen uns kurz entschlossen dem philippinischen Volkssport an und gehen in eine Karaokebar. Das gibt es hier wirklich an jeder Ecke. Man kann viele unentdeckte Talente bewundern. Auch Ermas Papa hat eine sehr schöne Stimme. Und Wolfgang kann sich auch nicht beherrschen. Da es sein Beruf ist als Sänger und Musiker durch die Lande zu tingeln, macht er da eine gute Figur.
PLACE_IMAGE(Am-Postschalter-in-Tubigon-.jpg)} Am Postschalter von Tubigon
16.10.2004

Wie fast jeden Tag frühstücken wir gegen 8:00 Uhr. Wir wollen gleich anschließend eine Rundreise über die Insel Bohol machen. Auf der Wunschliste stehen die Chocolat Hills und vor allem auch der Norden der Insel. Udo fühlt sich nicht gut und beschließt zu Hause zu bleiben. Erma hat Migräne, fährt aber trotzdem mit. Wir “borgen” uns einen Fahrer vom Gouverneur. Über die Fahrweise der Filipinos ist es wert eine gesonderte Geschichte zu schreiben. Zunächst nur soviel, dass man unbedingt warme Sachen oder eine Decke mitnehmen sollte, denn die Klimaanlage ist auf 10°C eingestellt und der Fahrer weigert sich beharrlich eine angenehmere Temperatur einzustellen. Da ich das aus der Vergangenheit schon weiß und mich einmal fast drei Stunden nicht wieder erwärmen konnte, nehme ich eine Decke mit und werde mit beleidigter Miene angeschaut. Ist mir aber egal, denn ich möchte mich nicht erkälten. Auch Tina hat eine Decke dabei. Wir holen noch schnell Lilibeth von zu Hause ab und brausen los. Nach ca. 1 1/2 Stunden sind wir am 1. Aussichtspunkt dieser lustigen Hügel angekommen. Es ist eine eigentümliche Landschaft bestehend aus ca 1000 gleichförmig gestalteten Kalksteinhügeln. Es gibt zahlreiche Legenden über die Entstehung. Eine Sage meint, dass der junge Riese Arogo an dieser Stelle Tränen für die schöne Aloya weinte. Sogar eine außerirdische Version kursiert. Wissenschaftlich, also nüchtern erklärt entstanden die Hügel, von den Filipinos Haycock (Heuhaufen) genannt, durch vulkanische Eruption als Bohol noch unter dem Meeresspiegel lag. Das Meer und der Zahn der Zeit sind am heutigem Aussehen schuld.
Gleich neben dem Aussichtspunkt gibt es einen Schmetterlingspark. Als wir drin sind, meint Tina, dass sie diese Tiere gar nicht mag und verlässt fluchtartig das Terrain. Wir anderen schauen staunend auf die artenreiche bunte Schar und lassen uns verzaubern. Anschließend steigen wir auf einen der Hügel. Hier gibt es einen Aussichtspunkt. Die lustigen Kugelberge breiten sich mit wunderbarem Panorama vor uns aus. Kein Wunder, dass diese Landschaft die Insel Bohol bekannt gemacht hat. Aber auch hier treffen wir vorwiegend Touristen aus Asien an. Der Gedanke, dass hier eines Tages Scharen von Menschen herkommen werden, tut irgendwie nicht gut.
Am Springbrunnen vorbei geht es über eine Wiese zu einem Restaurant. Hier wird gerade für eine Hochzeit eingedeckt. Alles in weiß und himmelblau. Die Kleinkinderfarben sind hier sehr beliebt. Nach dem Aufbau der Requisiten zu urteilen, wird die Trauung gleich hier vor Ort vollzogen. Leider haben wir keine Gelegenheit zuzuschauen, denn wir fahren weiter. Die Fahrt ist holprig aber zügig am 2. Aussichtspunkt vorbei. Irgendwo soll es freilebende Affen geben. Die Straße ist leider abgerutscht und wir kommen nicht weiter. Wir beschließen in die andere Richtung weiter zu fahren. Mal sehen was uns hier erwartet. Wir finden einen wunderbaren Rastplatz mitten im Wald.Eine Quelle erzeugt einen Wasserfall und dieser speist einen Pool. Die Wassertemperatur ist entsprechend kühl. Trotzdem baden Kinder und freuen sich über das kühle Nass. Ringsherum sind offene Hütten wo wir unser mitgebrachtes Essen mit den Händen verspeisen. Der Reis klebt, das Fleisch ist fest und die Früchte auch. So geht es mit den Fingern wunderbar.Hier ist die Luft frisch, wir genießen die Stille inmitten des Waldes. Dann fahren wir weiter. Die Landschaft geht vom Wald in sanfte grüne Hügel über. Bei Regen sieht es hier aus wie in Irland. Aber es scheint die Sonne ohne Unterlass. Wir sehen viele Büffel (Karabaus), die auf den Hügeln weiden und sich in den Tümpeln suhlen. Später sitzen wir in Ubay in der “Milchbar” und trinken leckere frische Karabaumilch. Wir kaufen welche in Flaschen für zu Hause. Auch Käse, der aussieht wie Feta, aber keiner ist und toll im Salat schmeckt.
Nun ist es schon spät am Nachmittag und es wird Zeit die Heimfahrt anzutreten. Die Straßen hier im Norden sind besser als die im Süden nach Tagbilaran. Es holpert auch, aber nicht so schlimm. Das Betonband ist ganz gut in Schuss. Bei Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder zurück. Der Regen kann kommen.
Wir wollen aber noch in die Disco. Gegen 21:00 Uhr hält die Mädels nichts mehr. Wir nehmen den Jeep und fahren ins Nachbardorf, was sich mitten im Wald befindet. Der Basketballplatz dröhnt vor lärmender Musik, man muss nur dem Lärm nachfahren um ihn zu finden. Im benachbarten Wald sind sicher alle Tiere auf der Flucht. Trotzdem hat das Spektakel noch nicht angefangen. Wir sitzen mit den Dorfbewohnern am Rande des Platzes und warten auf die ersten Tanzwütigen. Ein paar zarte Versuche sind zu sehen. Alle schielen zu Tina und Linda, aber keiner der Jungs wagt es, sie zum tanzen aufzufordern. Beide Mädels wirken mit ihren gerade mal 1.60 m hier ziemlich groß. Zu Hause gehören sie eher zu den kleinen Vertretern in ihrer Altersgruppe. Aber sie sind auch sehr schüchtern und so sitzen wir eben nur rum und schauen den anderen zu. Später fahren wir zurück, wir könnten auch laufen. Aber Udo mag es nicht, dass wir nachts durch den Wald laufen. Wegen der Schlangen. Ehrlich gesagt, hätte ich
damit kein Problem gehabt.


Dorfdisco


17.10.2004

Irgendwie verliert man hier alles Zeitgefühl. Ich muss stark nachdenken was heute für ein Tag ist. Wir sind von der restlichen Welt förmlich abgeschnitten und leben unbeschwert in den Tag hinein. Vielleicht ist das das Geheimnis dieser Ruhe, die hier von den Menschen ausgeht.
Heute wollten wir eigentlich nach Cabilao fahren. Eine kleine Insel, allerdings mit Tourismus, denn dort betreibt Franz, der aus Bayern stammt und mit Maria, gebürtig aus Malaysia, verheiratet ist, eine Tauchbasis. Es regnet heute aber schon früh, ich muss meine Malerei auf dem Dach aufgeben und Schutz unter dem Dach der Terrasse suchen. Also stellen wir um und bleiben erst einmal zu Hause. Die Männer fahren auf den Markt und kaufen Fisch, den sie abends räuchern wollen. Die Einheimischen kennen keinen geräucherten Fisch und so hat Harry einen Räucherofen noch aus DDR-Zeiten mit hierher gebracht. Er sollte sich als ideal erweisen.
Das Wetter bessert sich zusehens. Wir beschließen den Kegelberg, von uns so getauft, zu besteigen. Es ist ein Berg der aussieht wie ein Fingerhut. Wie hoch er ist, kann ich nicht sagen. Er ragt einsam in die Höhe. Den richtigen Namen konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Am Fuße des Berges gesellt sich ein Dutzend Kinder zu uns. Sie springen wie die Gemsen um uns herum, rennen immer wieder hoch und runter und hin und her. Das alles in Flip-Flops. Wir dagegen quälen uns im Schweiße unseres Angesichts, prustend und schnaufend bei 90% Luftfeuchtigkeit nach oben. Es geht über große Steine, umgefallene Bäume und durch dichtes Gestrüpp. Irgendwann gerät Udo in einen Mückenschwarm und gibt auf. Er geht zurück während wir anderen, völlig erschöpft, den Gipfel erreichen. Oben finden wir ein Feld mit Bananensträuchern und fragen uns, wer sich diesen anstrengenden Weg antut, um auf der Höhe Bananen zu ernten. Etwas abseits stehen zwei Hütten, sie sind eingezäunt und eine Tür liegt quer vor dem Durchgang. Ein Zeichen, dass man es hier nicht gern sieht, wenn man durch die Umzäunung geht. Die Kinder sind plötzlich ganz stumm und weigern sich weiter zu gehen. Sie meinen es wäre kein guter Ort. Die Hütten sind offen und man kann Haushaltsgegenstände, wahrscheinlich einer bestimmten Regel folgend angeordnet, sehen. Außerdem eine Tafel mit einem Text, den wir nicht verstehen und den uns auch Erma später nicht deuten kann. Die Tafel fotografiere ich. Den Rest nicht. Ich habe Respekt vor den Riten der Einwohner und es handelt sich hier offensichtlich um etwas Heiliges.
Nachdem wir die Aussicht von oben genossen haben, gehen wir zurück. Der Abstieg ist nicht so schwierig und bald sind wir auf einer Wiese wo wir ein Gruppenbild mit den Kindern machen. Nach der Wiese wieder Wald und große Findlingssteine. Ich stehe auf solch einem Stein, als sich plötzlich vor mir das Schlammloch bewegt und ein Karabau (Büffel) auftaucht. Ich mache schnell noch ein Bild und verschwinde dann lieber in sichere Entfernung.
Nun wird es Zeit nach Udo zu schauen. Er sitzt in der Hütte einer Familie und wird mit Wasser und Wein bewirtet. Die Hütte ist eigentlich eine Zusammenstellung von Gegenständen auf der Lichtung. Ein schmales und ein breites Bett überdacht für alle Familienangehörigen. Daneben eine Feuerstelle und eine Bank für die Küchengeräte. Beides auch mit Dach als Schutz vor dem Regen. Dann noch eine winzige Hütte, ähnlich unseren Geräteschuppen und höchstens 5 Quadratmeter. Das ist der ganze Besitz der Familie. Die Leute sind arm und dennoch bieten sie uns Wasser, ein sehr wertvolles Geschenk, und Reis an. Der Wein riecht putzig. Wir trinken ihn trotzdem, er schmeckt eigenartig, man wird sicher schnell betrunken davon. Gegenseitig klären wir uns über die Familienverhältnisse auf. Dann bekommen wir noch die Adresse. Es ist unglaublich, dass man mitten im Urwald über eine solche verfügt. Wir wollen die Fotos hinschicken. Wir verabschieden uns bis nächstes Jahr und steigen den Berg weiter ab. Inzwischen haben die Dorfkinder in unserem Auto gespielt und dabei das Licht nicht mehr ausschalten können. Das hat ihnen bestimmt Spaß gemacht. Zu Hause gehe ich gleich unter die Dusche und weiß den Komfort angesichts der ärmlichen Hütte der Bergbewohner doppelt zu schätzen. Meine Mückenstiche kann ich inzwischen nicht mehr zählen.
Nun ist es Zeit den Räucherofen in Gang zu setzen. Die Männer sind für die Fischräucherei verantwortlich. Die Fische werden super und auch Ermas Vater kostet und findet sie lecker. Vielleicht haben wir doch eine Neuerung auf die Insel gebracht.
Abends fahren wir noch einmal in die Stadt hinunter, denn es ist Livemusik angesagt. Wir sind 9 Leute im und auf dem Jeep. Ermas Vater, Roger und noch zwei Jungs fahren mit uns. Der Eintritt kostet 50 Pesos, das ist viel für hiesige Verhältnisse. Die Band ist aus Cebu und macht gehörigen Krach. Hier trifft man ein Publikum, was man sonst nicht sieht. Sicher extra mit aus Cebu angereist. Leicht extrovertiert und es wird viel getrunken und auch gekifft. Die Eltern wären entsetzt, wenn sie ihre Kinder so sehen würden. Die meisten sind hier auf der Insel doch sehr behütet. Nachdem wir uns zwei Stunden das Spektakel angeschaut haben, fahren wir nach Hause und fallen todmüde ins Bett.
Aussicht vom Kegelberg
Zu Gast bei Freunden
Karabau

18.10.2004

Wir stehen zeitig auf. Erma muss nach Cebu auf die Bank. Wir wollen sie begleiten. Wolfgang bleibt mit Linda zu Hause. Wir besteigen die Fähre und sind nach zwei Stunden im Hafen von Cebu. Damit Erma ihr Geld einzahlen kann, fahren wir mit dem Taxi sofort zur Bank. Hier haben wir Gelegenheit eine Stunde dem Treiben zuzusehen. Zunächst müssen wir an schwer bewaffneten Gards vorbei ins Innere der Bank. Habe ich schon Zustände beim Transport des Geldes (Harry hat es uns zu Hause für Erma mitgegeben) über Ländergrenzen gehabt, ist Erma nun schier am verzweifeln, dass sie noch eine Stunde warten muss bis sie an der Reihe ist. Man muss am Eingang eine Nummer ziehen und dann auf den wie im Kinosaal vor den Schaltern aufgebauten Bankreihen Platz nehmen. Das heißt, alle Leute beobachten die Geschäfte, die am Schalter getätigt werden. Nun sind wir gespannt wie Erma das Geld aus ihrem BH bekommt. Schließlich, als ihre Nummer bald aufgerufen wird, verkrümelt sie sich in eine Ecke und kommt freudestahlend mit dem Geldbündel gerade rechtzeitig am Schalter an. Nach diesem nervenaufreibenden Geschäft haben wir uns eine Stärkung redlich verdient. Nur gut, dass man auf Schritt und Tritt Taxis bekommt. Für einen kleinen Obolus wird man bequehm durch die Stadt chauffiert. Wir fahren zum SM, ein großes Kaufhaus, essen dort lecker am Buffet und machen anschließend noch einen Einkaufsbummel.
Da wir hinzu mit einer der alten Fähren gefahren sind, wollen wir nun auf der Heimfahrt die Vorzüge des neuen Speedbootes probieren und die Reisezeit auf eine Stunde verkürzen. Wir setzen uns ganz vorne hin und dann geht es los. Die Turbulenzen sind der Wahnsinn. Wir werden in die Luft geschleudert, um dann recht unsanft auf den harten Plätzen zu landen. Erma mag das Wellenreiten gar nicht. Mit verzerrtem Gesicht sitzt sie auf ihrem Platz und schreit den Bootsmann an, ob er das nicht bald abstellen kann. Wir können uns kaum halten vor lachen. Der Bootsmann meint, dass sie ruhig bleiben soll. Außerhalb des Hafengeländes würde es schon besser werden. Später ist es wirklich ruhiger auf See. Erma will nie mehr mit solch einem Boot fahren. Sie beschließt von nun an die gute alte Fähre mit all ihren Rostflecken, Hühnern an Bord und eine Stunde längerer Fahrtzeit zu nehmen.
Wir freuen uns auf das Abendessen. Danach schauen wir uns den Film an, den Wolfgang bei seinem heutigen Ausflug gemacht hat. Er war mit Linda im Fluss wandern. Sie ist wieder mal hingeschlagen, aber ihr Jammern hält sich heute in Grenzen. Ganz offensichtlich hatten sie, wenn man die Natur betrachtet, bessere Eindrücke als wir. Aber unser Abenteuer Bank und Fähre war auch nicht schlecht.

19.10.2004

Die Fahrt nach Cabilao wird heute nachgeholt. Wir fahren gegen 9:30 Uhr los. Wir müssen über Galape, wo eine schöne, leuchtend hellblaue Kirche steht, nach Mocboc. Der Weg ist gesperrt und so nehmen wir die Umleitung über mehrere kleinere Dörfer. Vor dem Hafen von Mocboc eine Schranke. Der Zutritt kostet 5 Peso. Die Schranke ist nur ein Ast, der über eine Astgabel gelegt ist und eine Frau mit Kind kommt, um das Geld zu kassieren. Manchmal hat man den Eindruck, dass einfach Jemand eine Geschäftsidee brauchte und dabei auf den Gedanken mit der Schranke kam. Wir erwägen, ob und wo es sich in Dresden lohnt ebenfalls Wegzoll zu verlangen und ob überhaupt ein Mensch dort bezahlen würde.
In Mocboc haben wir schnell ein Pamboat gemietet was und auf die Insel bringen wird. Wir kommen unangemeldet und wissen nicht, ob Franz überhaupt da ist. Er ist nicht da, denn er hat Maria ins Krankenhaus nach Cebu begleitet, wo sie gerade Nachwuchs bekommen. Aber die anderen sind da und so ist unser Aufenthalt trotzdem nicht umsonst. Hier gibt es Bungalows für Touristen, einen Pool und ein kleines Restaurant wo wir lecker Essen. Da Maria und ihre Angestellten aus Malaysia stammen, gibt es hier malayisches Essen was mir persönlich noch besser schmeckt als das philippinische. Die Mädels probieren den Pool aus, was aber erst nach längeren Zögern geschieht. Plötzlich haben sie Hemmungen wegen der Leute, die hier Urlaub machen und aus Deutschland sind. Tina meint, sie hätten sich schon so sehr an die zurückhaltende Art der Asiaten gewöhnt, dass die lärmenden Deutschen sie nerven.
Wolfgang und ich wollen ins Innere der Insel wandern. Dort gibt es einen See, der dicht mit Mangroven bewachsen ist und ansonsten nur wenige Zentimeter Wassertiefe hat. Dafür aber um so mehr Schlamm. Da sollte man nicht hineinsteigen. Wir schmeißen Hemd und großes Tuch in den Pool, um es uns anschließend über Kopf und Schulter zu hängen. Anders wäre die gleißende Sonne nicht auszuhalten. Der Weg zum See ist recht baumlos. Die Inselbewohner sind darüber keineswegs amüsiert. Machen sie es doch ebenso. Sie vermummen sich mit ihren T-Shirts was dann in Europa zu den schlimmsten Vermutungen führt. Aber es ist alles harmlos, das können wir bestätigen.
Am See ist ein altes Tor und wieder mal sollen wir 10 Pesos Eintritt bezahlen. Wessen Idee war das nun schon wieder. Da 10 Pesos wirklich nur ein paar Cent sind, stecken wir das Geld in die Kasse des Vertrauens.
Am See hat man einen Steg mit Pavillon errichtet. Die Wasserhöhe ist 30 cm, der Rest Schlamm. Nur an dieser Stelle kommt man bis zum Ufer. Alles andere ist mit dichten Mangroven bewachsen. Dort tummelt sich so manches Getier. Die ganze Insel ist durchsetzt mit Kalkstein. Deshalb hat sich auch dieser Süßwassersee gebildet. Man hat sicher hier auch Höhlen, die wir in der Kürze der Zeit aber nicht finden können. Auch eine Quelle entdecken wir nicht. Der See wird von der Mitte her mit Wasser gespeist. Es ist ein malerischer Ort. Schade, dass ich die Kamera vergessen habe. Wir machen unsere Kleidungsstücke noch einmal nass und wandern zurück.
Nun müssen wir wieder ein Boot organisieren was uns zurück nach Mocboc bringt. Da keines der Pamboate mehr vor der Insel liegt, leiht uns ein Freund von Franz sein Motorboot und fährt uns zurück. Nun müssen wir uns beeilen, den wir sind beim Gouverneur zum Abendessen eingeladen. Also schnelle Heimfahrt, duschen und umziehen. Der Gouverneur wartet schon. Er hat mit Hilfe seiner Dienstmädchen ein reichhaltiges Abendessen gezaubert. Seine Frau befindet sich gerade in Amerika. Nun treffen wir auch John mit seiner Familie. Ihn kennen wir bereits von unseren früheren Aufenthalten. Er stammt aus England und ist hier hängen geblieben. Nun hat er Frau, Sohn, Haus und Garten und eine Truthahnzucht. Er wird sein Leben sicher hier weiter leben.
Wir sitzen und schwatzen, dann werden Adressen getauscht. Der Gouverneur verspricht den Mädels zu antworten wenn sie schreiben. Da bin ich mal gespannt.
Ich denke über die Gegensätze nach. Gestern bei armen Leuten, heute das Gegenteil. Aber alle, ob arm oder reich, waren sehr, sehr gastfreundschaftlich.
Auf der Rückfahrt, kurz vor dem Weg durchs Reisfeld, der zu unserem Haus führt, gibt es in einem Haus große Beleuchtung, viel Musik und lustiges Lachen. Eine Party eben. Wir fahren täglich hier vorbei und haben den Hausbesitzer Jens getauft, weil er vor seinem Haus große Musikboxen stehen hat mit Buchstaben, die diesen Namen ergeben. Wir vermuteten immer, dass er so eine Art Verleih von Musikanlagen betreibt. Wahrscheinlich wird gerade die Lichtorgel ausprobiert. Wir halten an und werden spontan eingeladen. Unsere Vermutung war richtig. Wir werden sogleich zwischen den Leuten platziert und in Gespräche verwickelt. Leider können wir nicht lange bleiben, weil Erma nicht bereit ist aus dem Auto zu steigen. Da macht sich nun ihre Stellung im Dorf bemerkbar. Sie hat Angst das Gesicht zu verlieren. Wer beim Gouverneur zu Abend isst und auch sonst mit dem Direktor des Krankenhauses und der High Scool befreundet ist, setzt sich nicht abends so einfach bei den Leuten auf den Hof. Das irritiert uns nun doch ein wenig, denn uns wäre so etwas völlig egal. Tina und ich müssen dringend auf Toilette und so fahren wir mit Erma nach Hause. Sicher wäre das WC bei Jens auch ein Abenteuer gewesen. Wolfgang bleibt mit Linda da und ich kann lange nicht einschlafen, weil ich mir Sorgen mache, dass sie heil durchs Reisfeld kommen, denn hier gibt es nachts auch Schlangen und sie müssen zu Fuß gehen. Aber dann kommen sie mit dem Moped. Da bin ich erleichtert. Sie bringen noch ein paar Kinder mit und lassen diese mitten in der Nacht im Pool baden. Darüber gibt es am nächsten Tag neue Aufregung bei Erma. Sie schimpft mit Wolfgang, dass er eigenmächtig gehandelt hat und nicht einfach fremde Leute mit ins Haus bringen kann. Wolfgang in seinem unverbesserlichen Idealismus versteht das Problem von Erma nicht. Für kurze Zeit liegt ein wenig Spannung in der Luft. Aber dann ist wieder alles gut.




20.04.2004

Unser letzter Tag in Tubigon ist angebrochen. Die Zeit ist so schnell vergangen.
Gemeinsam mit Erma besuchen wir das College, denn wir wollen fragen, ob Tina ein Schuljahr hier absolvieren kann. Im Büro des Direktors erfahren wir, dass das durchaus möglich ist. Wir müssen lediglich die Geburtsurkunde und ein Schülervisa in englischer Sprache vorlegen. Sie bekommt dann ein Zertifikat und kann damit in Deutschland weiter lernen. Tina war anfänglich begeistert wird aber dann doch ängstlich. Da hier alles katholisch ist, hat die Schule auf dem Gelände eine eigene Kirche, man muss Schulkleidung tragen. Das wiederum findet sie gar nicht so schlecht. Tina könnte bei Harry und Erma wohnen. Außerdem könnte sie den Mopedführerschein bekommen. Später hat sie sich dann doch um entschieden. In der Fremde ganz allein und Erma hätte sie keinen Moment aus den Augen gelassen. Davor hatte sie Angst.
Wolfgang und Linda sind mit den Mädchen, was sie gestern Abend kennen gelernt haben, verabredet. Sie wollen es von der Schule abholen. Erma ist schon wieder skeptisch, denn man kann als Fremder nicht einfach ein 13-jähriges Kind mitnehmen. Auch Linda würde lieber mit Tina über den Markt bummeln. Letztendlich treffen sie sich mit dem Mädchen, Erma besucht den Professor der High Scool und wir bummeln über den Markt. Irgendwann treffen wir uns alle wieder und fahren nach Hause. Nun wird es Zeit die Koffer zu packen. Morgen müssen wir schon 6:00 Uhr frühstücken.

21.10.2004

Der Abschied ist gekommen. 7:00 Uhr besteigen wir die Fähre und sehen ein letztes Mal zur Insel zurück. Nun wird es wieder ein Jahr dauern bis zum Wiedersehen. Tief in mir drin weiß ich, dass es für lange Zeit oder für immer ein Abschied sein wird.
Erma begleitet uns bis zum Flughafen von Cebu. Sie will dort einen Tag bleiben. In Cebu angekommen, wartet schon der Fahrer des Kleinbusses, der uns durch die Stadt bringen soll, auf uns. Zuerst steuern wir den chinesischen Markt an. Dort wollen wir ein paar Körbe Mangos kaufen. Auch so ein Ritual. Wir nehmen die Körbe mit nach Hause, wo schon Freunde und Verwandte auf diese Köstlichkeiten warten. Die Mangos sehen zwar nicht so schön aus, schmecken aber sehr viel besser als diese, die man in Deutschland kaufen kann. Wenig später sind wir dann auf dem Flughafen, wo wir noch etwas essen und uns dann von Erma verabschieden. Vielen Dank für die Gastfreundschaft!
Das Flugzeug bringt uns nach Singapore. Dort werden wir übernachten und den folgenden Tag verbringen. Abends kommen wir im Hotel „Miramar“ an und sind froh, dass wir uns bald ins Bett legen können. Mich plagt plötzlich Durchfall. Das ist nicht so schön, weil wir morgen die Stadt erkunden wollen. Auch Linda geht es nicht so toll. Sie hat einen bösen Ausschlag am Bein und jammert, weil es juckt und weh tut. Wir beschließen mit ihr morgen als erstes zum Arzt zu gehen. Kann es sein, dass uns die Zivilisation eingeholt hat?

22.10.2004

Nach dem Frühstück wenden wir uns an den freundlichen Herrn von Singapore Airline. Wir buchen eine Stadtrundfahrt und fragen nach einem Arzt. Nachdem alle Taxifahrer die angegebene Adresse nicht wissen, fährt der junge Mann kurzerhand selbst mit und begleitet uns in die Sprechstunde. Was für eine nette Geste. Wir sind bei einem chinesischem Arzt und er scheint sich bestens auszukennen. Er verarztet Linda schnell und zeigt uns, wie wir es anschließend selbst machen können. Ich erkläre ihm in meinem spärlichen Englisch, dass wir einen langen Flug vor uns haben und hoffe, dass Linda dies ohne große Schmerzen überstehen wird. Daraufhin gibt er mir noch zwei Pakete zur Behandlung mit. Wieder so eine Selbstverständlichkeit zur Hilfe. Wir sind beeindruckt.
Zurück laufen wir ins Hotel. Der Weg ist gar nicht so weit wie wir dachten. Dabei unterhalten wir uns mit unserem Begleiter. Wir erfahren, dass er indischer Abstammung ist aber noch nie in Indien war. Wolfgang lädt ihn für den Abend ein, um sich für seine Mühe zu bedanken. Er sagt zu, wird aber später doch nicht kommen. Sicher darf er sich als Mitarbeiter des Hotels nicht mit den Gästen im Hotel treffen. Das verstehen wir. Aber wir hätten doch gern noch ein wenig mit ihm geplaudert.
Nach einem Stadtbummel und einem Regenguss werden wir zur Stadtrundfahrt vorm Hotel abgeholt. Wir fahren durch das arabische und das chinesische Viertel. Das indische haben wir schon bei einem der letzten Aufenthalte besucht. Wir steigen mehrfach aus und besichtigen eine Moschee und den Tempel in Chinatown. Dann geht es mit dem Boot weiter. Vom hier aus sehen wir die Kontraste der Stadt noch deutlicher. Kleine Häuser aus Kolonialzeiten werden von Hochhäusern aus Glas und Beton überragt. Wir schippern am Wahrzeichen der Stadt, dem wasserspeihenden Löwen, vorbei und fahren dann zum Ausgangspunkt zurück. Leider haben wir nur einen Tag Aufenthalt in Singapore und müssen nach dem Abendessen wieder zurück auf den Flughafen. Gerne hätten wir noch mehr Impressionen von dieser Stadt eingefangen. Nach den Tagen auf der grünen Insel Bohol, fernab von jeglichem Tourismus, ist hier natürlich die Welt zu Hause.
Kurz vor Mitternacht hebt das Flugzeug ab, um uns zurück nach Europa zu bringen. 12 Flugstunden und 6 Stunden Zeitverschiebung liegen vor uns.
Das Wahrzeichen von Singapore
23.10.2004

Wir treffen in Frankfurt ein und sind zunächst etwas erschrocken über die so hart wirkende deutsche Mentalität. Nach so vielen Tagen der sanften Behandlung ist das gewöhnungsbedürftig. Aber viel Zeit bleibt uns nicht darüber nachzudenken, denn wir müssen durch den halben Flughafen hetzen, um unseren Anschlussflug nach Dresden zu bekommen. Das ist typisch für Frankfurt und in Singapore, obwohl der Flughafen dort um ein vielfaches größer ist, wesentlich besser organisiert. Wir schaffen es in letzter Minute und steigen eine Dreiviertelstunde später in Dresden aus. Die Heimat hat uns wieder. Ein Gepäckstück fehlt, das wird abends nach Hause geliefert. Wir werden abgeholt und somit sind wir schnell zu Hause.
Der Urlaub ist zu Ende, in Erinnerungen werden wir aber noch lange schwelgen.



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